Kata

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"Du mußt dein Gemüt so bilden, daß auch der roheste Schurke es nicht wagt,

dich anzugreifen, selbst wenn du ruhig dasitzt."

Kata ist ein Scheinkampf gegen einen bis mehrere imaginäre Angreifer. Kata ist Meditation in Bewegung. Ziel der Kata ist es, die Kampftechniken und Prinzipien des jeweiligen Stiles zu vermitteln und Körper, Geist und Seele zu vereinen.. Es gibt sehr viele verschiedene Kata, die von Stil zu Stil sehr unterschiedlich sind. Manche Kata sind sehr alt, andere wieder sind jüngeren Datums. Es genügt nicht eine Kata vom Ablauf her zu können, sondern man muß sich mit jeder einzelnen Technik und ihrer möglichen Anwendung auf körperlicher und energetischer Ebene auseinandersetzen. Viele alte Meister sagen, es reicht vollkommen aus, nur eine bestimmte Kata zu können, denn durch das intensive Studium der Techniken, kann man die Prinzipien der Kampfkünste verstehen lernen. Andernfalls verkommt der tiefgründige Inhalt einer Kata zu einer Tanzform, in welcher nur äusserliche Inhalte zählen, wie wir es bei Katawettkämpfen leider immer wieder erleben.

Die Ursprünge der Kata reichen sehr weit zurück. Die Karate Kata sind oftmals eine direkte Ableitung von Formen aus den 5 Tierstilen des Shaolin Kung Fu. Drachenfaust Stil, Kranichfaust Stil, Leopardenfaust Stil, Schlangenfaust Stil und Tigerfaust Stil. Jeder Stil lehrt bestimmte, für sich eigene Prinzipien der Bewegung und der Energetik. Manche alten Kata kann man einwandfrei einem dieser Stile zuordnen. Die 5 Tierstile sind oft äquivalent den 5 Elementen, Erde / Wasser / Feuer / Wind / Leere. Obwohl viele Kata jüngeren Datums sind folgen sie doch vielen dieser Prinzipien. So ist es ohne weiteres möglich jede Kata einem gewissen Element zuzuordnen. Daraus ergibt sich aber die leider zu oft vernachlässigte Tatsache (besonders im Shotokan), dass fast jede Kata anders ausgeführt werden muß, will man ihre Prinzipien wirklich verstehen. Dies reicht von den Körperbewegungen, über die Atmung, bis hin zu den energetischen Aspekten. Will man eine Kata wirklich verstehen, ist es unumgänglich ihre Ursprünge zu erforschen. Da von jeder älteren Kata mehrere, mehr oder weniger ähnliche Abläufe existieren, kann es auch sinnvoll sein andere Stile, in welchen diese Kata trainiert werden kennenzulernen.

Bei der Anwendung (Bunkai) der Kata, gibt es einige gegenläufige Meinungen. Ich möchte hier die Lehrmeinung unseres Vereines anführen:

1. Kata ist sinnlos ohne das Verständnis ihrer Anwendung (auch im Shotokan).

2. Kata, Selbstverteidigung & Kampf sind nicht voneinander zu trennen.

3. Das Bunkai einer Kata soll keine Techniken, sondern Prinzipien vermitteln, daher muß es für jede Katatechnik mehrere richtige Anwendungen geben.

4. Kata ist in ihrer Anwendung sehr brutal. Zitat Soke Koehnen: "Karate war nicht dazu gedacht Gefangene zu machen."

5. In den Karate Kata gibt es auch Hebel, Würfe, Würger, Vitalpunktangriffe, Finten, Waffenabwehr, hinterhältige und "unehrenhafte" Techniken, Techniken für den Kampf in vollständiger Dunkelheit sowie Techniken für lautloses und unsichtbares Annähern an den Gegner (auch im Shotokan).

6. Jede Katagruppe unterscheidet sich in ihrer Bewegungsausführung von den anderen. Um die Kata zu verstehen muß man sich auch mit ihrer spezifischen Atmung (Ibuki) auseinandersetzen und man sollte jede Kata seitenverkehrt, rückwärts, etc. trainieren.

7. Jeder macht die Kata anders. Entsprechend den anatomisch-physiologischen Voraussetzungen ist die äußere Form der Kata vom Typus des Ausführenden abhängig. Dies kann soweit führen, dass eine Frau eine Erde Kata wie z.B. Tekki im Bunkai gegen einen starken großen Mann (Erde-Feuer) in ein anderes Element überführen muss z.b. Wasser - Wind. Hierin besteht der große Unterschied zwischen Karatedo und Sportkarate, wo die äußere Form wichtiger ist als die "korrekte" Ausführung. Dies ist mit ein Grund, der das Karate und Taekwondo unter den Kampfkünstlern in letzter Zeit in Verruf gebracht hat. Ohne Verständnis der Kata wird sie nie mehr als ein nett anzusehender Tanz.

8. Kata ist die Quintessenz des Karate und durch die Kata ist das Karate eines der härtesten Selbstverteidigungssysteme überhaupt.

9. Das Bunkai einer Kata entspricht immer dem Wissen und Können des/der Übenden, und wächst mit seinem/ihrem Fortschritt auf dem Weg. Daher betonen wir im Zusammenhang mit Bunkai besonders die Ausdrücke "Vorschläge und Bewegungsprinzipien" statt Pflichtanwendungen und Technik.

Kata entstanden aus einem kriegerischen System, egal wie sehr wir sie auch verharmlosen und wie sehr wir ihnen (zurecht) geistige Attribute zusprechen, Kata wurden entwickelt, um andere Menschen schwer zu verletzen und zu töten. Nur in diesem Bewusstsein kann uns das Üben der Kriegskünste zu einem friedvolleren Dasein verhelfen. Alles Andere wäre Heuchelei und davon haben wir schon genug auf diesem Planeten.

Für Kommentare, Fragen und Anregungen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.