Kampfkunst oder Kampfsport

Dieses Thema hat in letzter Zeit leider zu vielen Kontroversen und Streitigkeiten geführt. Ein Hauptgrund ist, daß das richtige Karate durch das Sportkarate sehr gelitten hat, da man dem Karate in seiner heutigen Form keine realistische Chance mehr in Notsituationen gibt. Um meine Meinung darzulegen möchte ich vorab einige Definitionen zu den Begriffen Sport und Kunst anführen:

 

Der Begriff Sport:

...bis heute gibt es noch keine allgemein akzeptierte Definition.

1. Eppensteiner: 1964

 

1. -starke, aus körperlichem, seelischen und geistigem Grund stammende Lustwirkung als Anreiz
2. -Charakter eines der Arbeitswelt entrückten Spiels
3. -ursprüngliche Verbundenheit mit der Natur
4. -Urtümlichkeit seines Bewegungselements
5. -Wettkampf
6. -Streben nach Leistungssteigerung bis zu Höchstleistungen

2. Groll: 1964

"Sport ist jede Form der Leibesübung, die vorwiegend durch das Streben nach Leistung, nach Leistungsvergleich und durch zu diesem Zwecke konventionell vereinbarte bzw. normierte Ausführung und Bewertung gekennzeichnet ist."

3. Heinemann 1983

1. Sport ist körperliche Bewegung
2. Sport unterliegt dem Leistungsprinzip
3. Sport ist durch soziale Normen geregelt
4. Sport ist unproduktiv

Die Leistungsorientierung wird im Sport als ein dominierendes Kennzeichen angesehen, wodurch man andererseits keine motorischen Tätigkeiten ausschließen sollte, welche nicht leistungsorientiert betrieben werden. Es erscheint daher sinnvoll 2 Formen von Sport zu unterscheiden:

1. Sport im weiteren Sinn
ist unproduktive (um ihrer selbst, der Befriedigung der Tätigkeit selbst betriebene) motorische Aktivität

2. Sport im engeren Sinn
charakterisiert durch Leistung, Präsentation, Wettkampf

Eine grundlegende Schwierigkeit ist, daß eine Definition nicht unabhängig von der Motivation der ausübenden Individuen möglich ist. Aus diesen Gründen wurde der Begriff Sport in letzter Zeit in Unterklassen wie z.B. Freizeitsport, Gesundheitssport, Leistungssport... unterteilt. Diese zusätzlichen Begriffe implizieren aber eindeutig ein Ziel. Viele Sportarten liegen auch eindeutig in einem Grenzbereich wie z.B. Holzhacken, Angeln,...

 

Der Begriff Kunst

Definition nach Bertelsmann:

-Kunst ist die Anwendung angeborener oder erworbener Fähigkeiten in hochentwickelter spezialisierter Form als "Können" oder "Kunstfertigkeit" und das Resultat dieser Betätigung (Kunstwerk), sofern es durchschnittliche Leistungen übersteigt.

-jedes schöpferische-ästhetische Gestalten und dessen Ergebnis.

 

Schlußfolgerung:

Beide Begriffe sind genaugenommen nicht eindeutig übertragbar. Es hängt immer von der Motivation und den Zielen des Einzelnen ab.

Aber: Vereine, die sich nur dem Wettkampf verschrieben haben, sind eindeutig dem Kampfsport zuzurechnen und haben keine Berechtigung ihre Stile mit anderen Attributen wie z.B: Karate Do zu schmücken. Karate allein wäre schon unrichtig. Natürlich ist der sportliche Aspekt Teil jeder "Kampfkunst" (aber nicht unbedingt auch umgekehrt), aber ich behaupte, daß er nach oben hin immer mehr an Bedeutung verliert (in Abhängigkeit vom Ausübenden).

Um eine genaue Unterteilung zu ermöglichen muß man japanische Begriffe verwenden, denn nur diese sind genau auf das Betätigungsfeld zugeschnitten.

Für mich ist das Thema Kampfsport nun abgeschlossen. Was jetzt folgt soll zeigen, was für mich Kampfsport eindeutig nicht ist.

Bujutsu / Bugei: =Kriegshandwerk, Definiert als die Fertigkeit Gegner mit allen erdenklichen Mitteln zu bekämpfen und zu vernichten.

Budo: =Kriegskunst, Umwandlung der kriegerischen "Künste" in einen friedlichen philosophischen Lebensweg.

Meiner Meinung nach ist Budo ohne Bujutsu nicht möglich und Bujutsu ohne Budo in unserer Zeit äusserst gefährlich und unverantwortlich.

Viele "Budoka" werden meinen, Philosophie ohne Kampf ist möglich. Ja, aber niemals in den Kampfkünsten, wo die Philosophie aus dem Kampf geboren wurde. Ohne die richtige "kriegerische" Einstellung kann man desshalb nicht richtiges Budo betreiben.

Ich behaupte:

Jede Schule, die (auch neben Wettkampf) kein realitätsbezogenes Training durchführt und das Karate nur als Museum zum Archivieren alter Kataabläufe betrachtet, ohne diese in ihren vielfältigen und effektiven Erscheinungsformen auf ein realitätsnahes Training zu übertragen, muß definitiv als Sportart bezeichnet werden.

Do, die philosophische Komponente ist ein sehr wichtiger Teil jedes ernsthaft Lernenden. Aber es ist ein inneres Streben und somit ein nicht kontrollierbarer Prozess, der zudem stark altersabhängig ist, denn was ich mit 20 weiß verstehe ich erst mit 50. Ob sich ein Verein Do nennt oder nicht ändert mit Sicherheit nichts an der Einstellung der Mitglieder und stellt höchstens die Einstellung weniger Personen dar.